Glasbruch & Versicherung

Glasbruchversicherung: Wann lohnt sie sich – und wann nicht?

Mobiliar- oder Gebäudeverglasung, Mieter oder Eigentümer: was eine Glasversicherung deckt, was sie kostet und wann der Zusatz in der Schweiz sinnvoll ist.

Eine Glasbruchversicherung klingt nach einem einfachen Produkt, ist aber in der Schweiz kein eigenständiger Vertrag. Sie ist ein Zusatz zur Hausrat- oder Gebäudeversicherung, und ob sie sich lohnt, hängt davon ab, ob Sie mieten oder besitzen, wie viel Glas Sie haben und wie hoch Selbstbehalt und Versicherungssumme sind. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede neutral; wir empfehlen keinen bestimmten Versicherer.

Zwei Zusätze: Mobiliar- und Gebäudeverglasung

Die Versicherer unterscheiden nach dem Eigentum am Glas:

Zusatz Was gedeckt ist Für wen
Mobiliarverglasung Glastische, Vitrinen, Wand- und Schrankspiegel, Aquarien; je nach Versicherer auch Natursteinplatten Alle, die eigene Glasmöbel besitzen
Gebäudeverglasung Fenster, Glastüren, Glaskeramikkochfeld, Lavabos und WC-Schüsseln, fest eingebaute Natursteinplatten Eigentümerinnen und Eigentümer

Laut Allianz übernimmt die Mobiliarverglasung bei einem Bruch die Kosten für Ersatz und allfälligen Einbau und deckt auch Folgeschäden, etwa am Parkett. Die Gebäudeverglasung lässt sich je nach Versicherer in der Hausrat- oder in der Gebäudeversicherung einschliessen. Moneyland weist darauf hin, dass der Glasbruchzusatz nur als Teil einer Hausrat- oder Gebäudeversicherung angeboten wird; beim Vergleich zählt deshalb die Gesamtprämie.

Was keine Glasversicherung braucht

Ein Teil der Glasschäden läuft gar nicht über den Glaszusatz:

  • Hagel, Sturm, Hochwasser und Feuer sind Elementar- oder Feuerschäden. Laut Allianz zahlt dann die Elementar- bzw. Feuerversicherung, für das Gebäude die Gebäudeversicherung.
  • Bildschirme von Handy, Tablet und Fernseher sind nicht über die Mobiliarverglasung versichert; Allianz verweist auf eine Elektrogeräte-Kasko.
  • Autoglas gehört zur Autoversicherung.
  • Schäden an fremdem Glas zahlt in der Regel die Privathaftpflicht.

Kratzer und Abnutzung gelten nicht als Bruch. Als häufige Ausschlüsse der Mobiliarverglasung nennt moneyland Handspiegel, optische Gläser, Geschirr, Glühbirnen, Leucht- und Neonröhren sowie Glas von Elektrogeräten. Eine Hausrat-All-Risk-Deckung enthält laut Allianz alle Deckungen der Glasbruchversicherung und der Elektrogeräte-Kasko; wer sie hat, braucht den Glaszusatz nicht zusätzlich.

Für Mieterinnen und Mieter

Fenster, Glastüren, Kochfeld und Lavabo gehören der Vermieterschaft. Laut Allianz und Helvetia brauchen Mieterinnen und Mieter deshalb keine Gebäudeverglasung: Zerbricht eine Fensterscheibe durch ihr Missgeschick, kommt die Privathaftpflicht als sogenannter Mieterschaden auf. Bricht das Glas ohne ihr Zutun, ist es ein Mangel, den die Vermieterschaft beheben muss. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt der Ratgeber Glasbruch: Was tun und wer zahlt?.

Ein Sonderfall ist das Kochfeld. Glaskeramikkochfelder zählen Helvetia und moneyland zum Gebäudeglas, ebenso Lavabos und WC-Schüsseln. Gehört das Kochfeld zur gemieteten Küche, ist ein Sprung, den Sie verursacht haben, deshalb ebenfalls ein Fall für die Privathaftpflicht und nicht für eine eigene Glasversicherung. Haben Sie das Kochfeld selbst gekauft und eingebaut, fragen Sie Ihre Versicherung, ob es als Mobiliar oder als Gebäudeglas gilt.

Bleibt die Mobiliarverglasung. Sie lohnt sich vor allem, wenn Sie wertvolle Glasmöbel, grosse Spiegel oder ein Aquarium besitzen. AXA nennt den Zusatz «eine Überlegung wert», wenn Einrichtung aus Glas und Stein im Haushalt ist. Bei wenigen, günstigen Glasgegenständen bringt er dagegen wenig: Moneyland rechnet mit einem Selbstbehalt von 200 Franken vor, dass eine Vitrine für 150 Franken gar nicht gedeckt ist und bei einem Glastisch für 800 Franken 600 Franken vergütet werden.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer

Hier ist die Lage anders, denn das Gebäudeglas gehört Ihnen. Ohne Gebäudeverglasung zahlen Sie eine zerbrochene Scheibe, ein gesprungenes Kochfeld oder ein beschädigtes Lavabo selbst – ausser bei Elementar- und Feuerschäden. Helvetia empfiehlt Hauseigentümern, den Zusatz einzuschliessen; Allianz rät bei Wohneigentum, neben dem Mobiliar auch fest eingebaute Einrichtungen gegen Glasbruch zu versichern, und AXA bezeichnet die Deckung für Fenster, Lavabos und Gebäudeglas als «sinnvoll für Wohneigentümer, die sich rundum gegen finanzielle Risiken absichern wollen».

Ein Hinweis aus der Glasbranche: Glas Trösch hält in einem Merkblatt fest, dass sich die Gewährleistung bei Isolierglas ausschliesslich auf die Kondensationsfreiheit im Scheibenzwischenraum bezieht, nicht auf Glasbruch, und empfiehlt deshalb eine Glasbruchversicherung. Ein Glasbruch ist bei Isolierglas also kein Garantiefall.

Stockwerkeigentum: Bauteile, die die äussere Gestalt des Gebäudes bestimmen, können nicht zu Sonderrecht ausgeschieden werden (Art. 712b ZGB). Ob Fensterglas über eine Police der Gemeinschaft oder über Ihre eigene Hausratversicherung läuft, regeln Reglement und Verträge. Fragen Sie die Verwaltung, bevor Sie eine Gebäudeverglasung abschliessen oder darauf verzichten.

Was der Zusatz kostet

Moneyland hat die Prämien für eine 3-Zimmer-Wohnung in Zürich mit einer Person, 200 Franken Selbstbehalt und 100 000 Franken Versicherungssumme verglichen. Die Zahlen stammen vom Januar 2025; einen neueren öffentlichen Vergleich haben wir bis Oktober 2026 nicht gefunden:

  • Mobiliarverglasung allein: zwischen 4.60 und 88.10 Franken pro Jahr.
  • Mobiliar- und Gebäudeverglasung zusammen: zwischen 16.20 und 88.10 Franken pro Jahr.

Die tiefste Deckungssumme für Glasbruch liegt laut derselben Auswertung je nach Versicherung zwischen 1000 und 2000 Franken, die höchste zwischen 3000 Franken und unbegrenzt. Bei «unbegrenzt» gilt die Versicherungssumme der Police. Achten Sie beim Vergleich deshalb nicht nur auf die Prämie, sondern auch darauf, ob die Deckungssumme für Ihr teuerstes Glas reicht.

Gewerbe und Läden

Für Geschäfte ist Glasbruch meist Teil einer Betriebs- oder Sachversicherung mit Glasdeckung. Bei gemieteten Ladenflächen regelt der Mietvertrag, wer Schaufenster und Eingangstüren versichert. Halten Sie Masse, Glasaufbau und Lieferanten Ihrer Schaufenster schriftlich fest: Das beschleunigt im Schadenfall die Bestellung. Betriebe für grosse Formate und einbruchhemmendes Glas finden Sie unter Schaufenster und Ladenverglasungen.

Checkliste vor dem Abschluss

  • Mieten oder besitzen Sie? Mieter brauchen höchstens die Mobiliarverglasung.
  • Wie viel ist Ihr Glas wert – liegt der teuerste Gegenstand deutlich über dem Selbstbehalt?
  • Deckt die Versicherungssumme grosse Spiegel, Glastische oder das Kochfeld?
  • Sind Natursteinplatten, Lavabo und WC eingeschlossen?
  • Haben Sie bereits eine All-Risk-Deckung, die Glasbruch einschliesst?
  • Im Stockwerkeigentum: Was versichert die Gemeinschaft?

Kommt es zum Schaden, rechnen viele Glaser direkt mit der Versicherung ab. Passende Betriebe finden Sie unter Fensterscheibe ersetzen und im Verzeichnis der Glaser.

Häufige Fragen

Brauche ich als Mieter eine Glasversicherung?
Für Fenster, Glastüren und anderes Glas der Wohnung nicht: Es gehört der Vermieterschaft, und für Schäden, die Sie verursachen, kommt in der Regel Ihre Privathaftpflicht auf. Sinnvoll sein kann die Mobiliarverglasung für eigene Glasmöbel, Vitrinen und grosse Spiegel – vor allem, wenn deren Wert deutlich über dem Selbstbehalt liegt.
Ist ein gesprungenes Ceranfeld über die Glasversicherung gedeckt?
Glaskeramikkochfelder zählen die Versicherer zum Gebäudeglas. Eigentümerinnen und Eigentümer brauchen dafür die Gebäudeverglasung. Gehört das Kochfeld zur Mietwohnung und haben Sie es beschädigt, ist es wie ein Fenster ein Fall für Ihre Privathaftpflicht.
Was kostet eine Glasbruchversicherung?
Im Vergleich von moneyland (Stand Januar 2025; 3-Zimmer-Wohnung in Zürich, 1 Person, Selbstbehalt 200 Franken) lagen die Jahresprämien für Mobiliarglas zwischen 4.60 und 88.10 Franken, für Mobiliar- und Gebäudeglas zusammen zwischen 16.20 und 88.10 Franken – je nach Anbieter und Versicherungssumme. Einen neueren öffentlichen Vergleich haben wir bis Oktober 2026 nicht gefunden; holen Sie deshalb aktuelle Offerten ein.
Lohnt sich die Mobiliarverglasung bei wenigen Glasmöbeln?
Oft nicht. Mit einem Selbstbehalt von 200 Franken ist laut moneyland eine Vitrine für 150 Franken gar nicht gedeckt, bei einem Glastisch für 800 Franken werden 600 Franken vergütet. Der Zusatz lohnt sich vor allem bei wertvollen Glasmöbeln, grossen Spiegeln oder einem Aquarium.

Passende Betriebe finden